Evang. Kirchengemeinde Castell
  St. Johannes Kirche Castell
 

 
 
Fotos: U.v.Schultzendorff
   
Kirchenführer
Kirchenführer (PDF 1,3 MB)
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Besichtigung und Kirchenführungen

Öffnungszeiten: täglich 9.00 – 19.45 Uhr.
Wenn Sie für sich oder eine Gruppe eine Kirchenführung wollen, nehmen Sie bitte Kontakt mit dem Pfarramtsbüro, Kirchplatz 3, 97355 Castell, Tel. 09325/97970 auf.
Für Ihre stille Andacht in der Kirche liegen Gesangbücher auf.
In das Gebetbuch im Andachtsraum rechts vom Altar können Sie Ihre Gedanken und Gebete einschreiben.
Wir nehmen sie in unsere Fürbitte auf.
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Die Geschichte der Kirche Castell

816: Castell wird als Siedlung erstmals erwähnt (in der Gründungsurkunde des Grafen Megingaud aus dem Geschlecht der fränkischen Mattonen für das Kloster Megingaudshausen).

2. Hälfte des 11. Jahrhunderts:
Castell ist namensgebener Ort der Grafen zu Castell.

1266
(oder kurz davor) wird unsere Kirche erstmals in einer Urkunde genannt. Sie ist Johannes dem Täufer geweiht und vermutlich eine der frühen fränkischen Taufkirchen.

Gemälde: Lieselotte v. Crailsheim
"Johannes der Täufer"
in der Pfarrkirche

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1546 stirbt Graf Wolfgang, der letzte Casteller Graf römisch-katholischen Glaubens. Seine vier Söhne Konrad, Friedrich, Heinrich und Georg ließ er auf gut katholischen Universitäten ausbilden und den drei ältesten beschaffte er Domherrenpfründe. Alle Söhne kehrten nach ihrer Studienzeit als überzeugte Lutheraner zurück.

1584 erhält die Grafschaft mit der Württembergischen Kirchenordnung eine einheitliche evangelische Grundlage für alle Pfarreien. Graf Heinrich ist der führende Kopf bei der Durchführung der Reformation. Einst Bamberger Domherr und im diplomatischen Dienst des Würzburger Fürstbischofs verzichtet er 1555 auf seine Pfründe. Am Hof des Württemberger Herzogs wird er ein Freund des Reformators Jakob Andreae, des Vaters der Lutherischen Konkordienformel.

1631 bis 1648: Mit dem Einzug des Schwedenkönigs Gustav Adolf in das Frankenland und dem Westfälischen Frieden wird die Zugehörigkeit der Grafschaft zum Protestantismus gesichert.

Im 30jährigen Krieg hatte der Würzburger Bischof die Grafschaft rekatholisieren wollen.

1584 Verlegung des Friedhofs durch die Grafen an seinen heutigen Platz im vorderen Bausch. Umgeben war die Kirche bis 1584 von dem Kirchhof/Friedhof, dieser "ohne Gaden, Keller noch Kasten doch mit einer ziemlichen Ringmauer gefasst"

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war der bauliche Zustand der alten Casteller Kirche bereits sehr schlecht – dies zeigt ein Vermerk in den Kollektenbüchern: "... zu reparirung hiesigen gantz baufälligen Kirch – Thurm und Kirchen" oder "ein dumpfer, menschenüberfüllter ungesunder Raum, wo man den Pfarrer nicht verstand, so man nicht von altersher seinen gesicherten Stuhl besaß".

Sie wird 1783 abgebrochen.

1783 bis 1792 wird unsere Kirche am gleichen Ort unter der Leitung des würzburgischen Landbaumeisters Joseph Albert als repräsentative Grafschaftskirche erbaut. Außen ähnelt sie vielen unterfränkischen Barockkirchen, innen ist sie frühklassizistisch ausgestaltet. Nach allen vier Himmelsrichtungen hat sie je einen Eingang. Der östliche ist als Hauptportal mit reichem ornamentalen Schmuck gekennzeichnet.

Vor 1806: Die Grafen von Castell waren nicht nur Territorialherren. Bis 1806 standen sie dem Kirchenwesen vor. Casteller Land war Landeskirche. Weltliche Bischöfe waren die Grafen. Sie waren berechtigt, Gesetze, Verordnungen, Privilegien zu erlassen. Sie setzten kirchliche Behörden und Amtsträger ein, ordneten Visitationen an, übten geistliche Gerichtsbarkeit aus, bestimmten über

Feiertage und Liturgie. Für sie verwaltete ein Konsistorium die Kirche. Die meisten Pfarramtskandidaten stammten aus der näheren Umgebung bzw. aus der Grafschaft selbst. 

Sogar ein eigenes Gesangbuch hatte die Grafschaftskirche (überschrieben mit "Gesang-Buch veranstaltet für die Grafschaft Castell und andere theilnehmende Gemeinden", 1787).

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1806 wurden aus den Landesherren Unternehmer. Die Grafschaft wurde bayrisch und die Landeskirche ein bayerisches Dekanat. Den Grafen blieb von der ehemaligen Kirchengewalt das Recht, Pfarrer und Schulstellen festzulegen und die althergebrachten Ehrenrechte, das Kirchengebet und Trauerrituale für den Grafen und seine Familie. Auch diese Patronatsrechte erloschen 1969/70.

1964/65 wurde bei einer gründlichen Renovierung die leicht rosa Farbe, möglicherweise die erste Farbgebung, angebracht. Sie betont im weiten, lichten Raum den festlichen Charakter.

1981 wurde die neue Orgel – das Gehäuse ist original aus dem Jahr 1788 erhalten – von der Orgelbaufirma Gerhard Schmidt, Kaufbeuren, mit 25 Registern eingebaut.

1993 Sanierung der Innendecke, Einbau eines neuen Glockenstuhls, Sanierung der alten Glocken und Verankerungs- und Verpressarbeiten im Mauerwerk (Ringanker)

1994 Anbringen eines neuen Außenanstrichs

1996 Neuverlegung der Sandstein-Treppenstufen über dem Eingang zur Fürstl. Gruft

2000 Sanierung des westlichen Eingangsbereichs (außen und innen)

2007 Renovierung der Orgel

2013 Renovierung des Sandsteinsockels

Ein Licht auf dem Altar
Auf dem Altar in unserer Kirche steht ein Christuslicht. Der Nürnberger Bildhauer Heinz Leo Weiß schuf 1994 das kleine Kunstwerk aus kristallinem Marmor.
Wir als evangelische Christen begründen dieses Licht, Zeichen der Gegenwart des lebendigen Christus, mit Aussagen der Heiligen Schrift.
In der biblischen Geschichte von der Schöpfung heißt es: "Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht." (1. Mose 1, 4.5)
Gott wird in der Heiligen Schrift so beschrieben: "Licht ist dein Kleid, das du an hast." (Psalm 104, 2)
Er ist "Die Quelle des Lebens und in seinem Licht sehen wir das Licht." (Psalm 36, 10)
Christus sagt von sich selber: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt ,der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Johannes 8, 12)
Gott begegnet uns Menschen. Viele haben ihre Gotteserfahrung als Lichterlebnis beschrieben. "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege." (Psalm 119, 105)
Jesus Christus beruft seine Gemeinde und beauftragt sie: "Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (Matthäus 5, 14-15)
Und die Gemeinde, seine Kirche bekennt: "Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten. Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?" (Psalm 27,1)
Wir sehen den siebenarmigen Leuchter und denken an die bleibende Verbindung der christlichen Kirche zum auserwählten Volk Israel. Die Zeichnungen auf dem Glas weisen auf Christus und die großen Christusfeste, auf Krippe und Kreuz. Diese beiden Zeichen können aber auch ein Sinnbild für die Nähe Christi im Sakrament des Altars sein, auf Hostie und Kelch.
Die Glocken der Casteller Kirche
e` = Glocke 1 von 1994 "Gnadenglocke" D: 1,212 m, gestiftet von Fürst Albrecht zu Castell-Castell anlässlich der Vermählung seiner jüngsten Tochter Stefanie mit Graf Khevenhüller-Metsch
g` = Glocke 2 von 1749 "Friedensglocke" D: 1,01 m, gestiftet durch das Haus Castell
h` = Glocke 3 von 1746 "Gebetsglocke" D: 0,81 m, gestiftet durch das Haus Castell
d`` = Glocke 4 von 1656 "Segensglocke" D: 0,66 m, gestiftet durch das Haus Castell

Die Glocken 2 und 3 sind aus bereits älteren Casteller Glocken neu gegossen.

Läuteordnung:
Zu den Hauptgottesdiensten an Sonn- und Feiertagen läuten folgende Glocken:
Festtage und Festzeiten 1.2.3.4. (Septimakkord)
Passionszeit 1.2.4. (Mollterz und Quinte darüber)
Adventszeit 1.3.4. (Quinte und Mollterz darüber)
ungeprägte Zeiten 1.2.3. (Molldreiklang)
Am Karfreitag und am Buß- und Bettag nur Glocke 1.
Zum Vaterunser im Gottesdienst ohne Abendmahl Glocke 3.
Im Gottesdienst mit Heiligem Abendmahl zu den Einsetzungsworten, Abendmahlsgebeten und dem Vaterunser volles Geläut wie das Einläuten.
Evtl. Gottesdienste an Wochentagen (Passion) entweder Glocken 2 und 4 (Quinte – klagend) oder 2 und 3 (Durterz – bittend), dabei zum Vaterunser Glocke 3.
Bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen wird wie beim Hauptgottesdienst eingeläutet. Bei einem Todesfall – bei der Ansage oder der Überführung –wird wie bisher gewohnt geläutet.

Gebetsläuten an Werktagen:
Morgengebetsläuten um 7:00 Uhr.
Ankündigung der Mittagsstunde um 11.00 Uhr: Glocke 3
Ruf zum Friedensgebet zur Mittagsstunde um 12.00 Uhr: Glocke 2
Abendgebet um 19.30 Uhr, gleichzeitig auch die Einladung zum Abendgebet in der Kirche: Glocke 3
"Verirrten-Läuten vom 11. November bis 22. Februar um 20.00 Uhr: Glocke 2
In einem Heft über Fränkisches Brauchtum (Dezember 1993) in dem viele Geschichten über "Verirrten-, Gedächtnis- und Weinläuten in Mainfranken" erzählt werden, kommt auch unser Abendläuten vor:
Eine Gräfin von Castell verirrte sich einst zur Winterszeit in diesem großen Walde und hatte bei einbrechender Nacht noch nicht den rechten Weg gefunden. Da ertönte von Iphofen her der Klang einer Glocke; diesem nachgehend, gelangte sie sicher aus dem Walde heraus. Aus Dankbarkeit schenkte die Gräfin einen Teil des Waldes der Gemeinde Iphofen, der heute noch als "Bürger- oder Stadtwald" bezeichnet wird. Noch heute besteht in der Stadt der schöne Brauch, in den Wintermonaten abends um acht Uhr mit einer großen Glocke zu läuten. Fragt man die Bürger, was das bedeuten solle, so erhält man die Antwort: "So sich einer verirrt hat!"
(Aus dem Buch: Johannes Klarmann/Karl Spiegel, Sagen und Skizzen aus dem Steigerwald, Gerolzhofen 1912)